Über meine Arbeit
In meiner Arbeit erforsche ich das Zusammenspiel von Formen und Elementen – ihre Begegnungen, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen. Organische Strukturen wie Nebel, Blasen oder geschlossene Formen treten in einen Dialog, entstehen aus- und ineinander und verändern sich in ihrer Funktion und Gestalt. Dabei erinnern sie an Vertrautes wie Strukturen der Mikrobiologie, Gesteins- und Mineralformationen, Landschaften, erscheinen jedoch zugleich als etwas Fremdes. Dem bekannten Fremden wird mit Neugier aber auch Ehrfurcht begegnet.
Meine Werke sind Momentaufnahmen eines fortlaufenden Prozesses – ein Zwischenstadium in einer Entwicklung ohne absehbares Ziel. Verdichtung und Verflüchtigung stehen in ständiger Wechselwirkung: Etwas entsteht, zerfällt, bildet Neues. In diesem Prozess bleiben Spuren zurück, Überlagerungen formen sich, und nicht alles ist jederzeit sichtbar. Es gibt ein Davor und ein Dahinter. Schichten, die sich auflösen oder verbergen, aber stets vorhanden sind. Ein Teil meiner malerischen Praxis dient als eine Art Glossar: eine Sammlung und Erforschung wiederkehrender Motive, die sich in anderen Werken weiterentwickeln. Ich untersuche diese malerischen Erfindungen sowohl isoliert als auch in ihrem Zusammenspiel und lasse sie sich werkimmanent transformieren. Mich interessiert die Frage: Welche Möglichkeiten bietet die zweidimensionale Fläche, um einen Raum jenseits der Leinwand zu imaginieren? Durch die Überlagerung lasierender Schichten hinterfrage ich die Grenzen des Bildraums und erschaffe eine Ahnung eines dahinterliegenden Ortes. Die sichtbare Begrenzung durch Leinwand oder Raum lässt dennoch erahnen, dass das Dargestellte darüber hinaus weitergeht und lediglich ein Ausschnitt, ein Zustand innerhalb eines größeren Kontinuums abgebildet wird. Dieses spiegelt auch der eher dunkle Farbraum, in dem sich meine Arbeit vorwiegend bewegt, der aber immer aus vielen bunten Schichten aufgebaut ist und Ahnungen von Welten erlaubt, die nicht im Vordergrund stehen.
Auch das Material selbst wird in meiner Arbeit zu einem eigenständigen Akteur. In einem offenen Dialog zwischen Farbe, Oberfläche und Struktur entstehen Spannungen und Verbindungen, die die Formen nicht nur definieren, sondern sich selbst in den Prozess der Transformation einfügen. Das Auftragen von Farbe und Material ist ebeso wichtig wie das Abtragen. Diese Auseinandersetzung setze ich auch in meiner installativen Arbeit fort. Während die Malerei eine einzelne Ansicht erfordert, erlaubt die Installation den direkten, physischen Eingriff in den Raum. Die Frage nach der Dimension der fremdartigen Objekte und den Gesetzen, denen sie unterliegen werden hier, anders als in der Malerei, durch den Raum mitbestimmt. Beide Medien stehen in einem engen Dialog und formen gemeinsam eine fluide künstlerische Praxis.
In meinen installtativen und skulpturalen Arbeiten setze ich mich besonders mit der Autonomie von Material auseinander. Mich interessiert, welche Konnotationen und Eigenschaften ein Material ohne mein Zutun bereits mitbringt und wie ich diese durch Zusammenstellung und Bearbeitung verstärken oder aushebeln kann. Kontraste wie Transparenz und Elastizität gegenüber von Opazität und Starre, Licht reflektierend gegenüber von Licht ausstrahlend, glatte, geschlossene und kühle Oberflächen gegenüber organischen, sich verändernden, flüchtigen Strukturen eröffnen hierbei einen Dialog zwischen den einzelnen Komponenten. Der Aspekt des Erforschens und Beobachtens des unbekannten Vertrauten wird durch die Kombination aus klaren Kanten, definierten Untergründen, einer sterilen Oberfläche und freigestellten Objekten, isolierten Strukturen und ihrer vermeidlich ursprünglichen Umgebung entnommenen Proben verstärkt. Mich interessiert die Darstellung des Momentes des Begreifen Wollens von etwas, das durch seine Unbekanntheit zugleich unberechenbar und anziehend wirkt. Hierbei ist für mich das physische Objekt sowohl wie die imaginierte oder fragmentarisch angedeutete Herkunft oder sein Ursprung und die Weiterentwicklung von Interesse. Der oben angesprochene Raum jenseits der Leinwand wird hier zur Dimension jenseits des Sichtbaren. Sowohl mikroskopische Ansichten, biologische und geologische Phänomene, wie auch Sciencefiction und Darstellungen alienhafter Organismen und Strukturen, die lautlos schwebende Präsenz von Raumschiffen, die die Sehgewohnheit von Dimensionen herausfordern, von Gravitation unbetroffene Bewegungen und ihrem Aussehen wiedersprechende Haptik von Oberflächen und Objekten sind für mich wichtige Inspirationsquellen.
Vita
geb. 26.10.1998 in Rheine
seit 2018
2020 - 2023
2023 - 2025
Seit 2025
Studentin an der Kunstakademie Münster
Studium bei Michael van Ofen
- Meisterschülerin
Studium bei Michael Sistig
Studium bei Juliette Blightman